Warum ich vegan lebe

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Wie ich persönlich Informationen über Nutztierhaltung erlebe

Gerade bin ich wieder sehr mit dem Schmerz in Verbindung gekommen, der mich vor vier Jahren dazu bewogen hat, mich von nun an vegan zu ernähren. Ich bereite gerade ein Quiz vor, das sich um Milchkuhhaltung dreht, das leicht zugänglich ist und ohne böse Bilder auskommt. Dabei bin ich auf eine für mich neue Information gestoßen, die mich total fassungslos und traurig gemacht hat: schwache Kälber werden zwangsgetränkt, indem ihnen ein Plastikschlauch in den Magen geschoben wird, weil ihr Saugreflex nicht ausgeprägt genug ist. Wohlgemerkt in dem Kontext, dass die Kälber zuvor der Mutter weggenommen wurden und Kalbsfleisch aus ihnen gemacht werden soll. Aber das ist ja eh klar.

Und ich frage mich: Warum trifft mich so eine Zusatzinformation, die alles in allem ja auch nicht schlimmer ist, als all das, was ich bereits über die Intensiv-Tierhaltung weiß, so sehr? Ist es nicht schlimm genug, dass es überhaupt so etwas wie Mastkälber gibt? Ich hätte erwartet, abgestumpfter zu sein. Tatsächlich lese ich diese Texte auch absichtlich nicht komplett durch, sondern scanne nach den Informationen, die ich suche.

Trotzdem bin ich dankbar dafür, dass ich gerade diesen Schmerz spüren kann. Es strengt mich total an und ich komme mit meiner Aufgabe, dieses Quiz zu machen, ziemlich langsam voran. Aber ich bin mit dem verbunden, was mich bewegt. Und zwar nicht mit dieser hilflosen Wut, sondern mit der Traurigkeit, der Fassungslosigkeit und dem Schmerz. Und ich bin dankbar, dass ich das auch vor vier Jahren geschafft habe, als ich zum ersten Mal so viele Informationen über Massentierhaltung und -schlachtung für mich zusammengetragen habe.

Meine Entscheidung, vegan zu leben und was das mit sich bringt

An irgendeinem Punkt habe ich damals unbewusst entschieden, das Leid der Tiere an mich ranzulassen. Und das war schmerzhaft und ich weiß nicht, ob es sich rückgängig machen lässt. Auf jeden Fall kann es nicht ohne Konsequenzen bleiben. Für mich war die Konsequenz vegan zu leben, für andere kann sie selbstverständlich auch anders aussehen.

In der Zwischenzeit war ich aber auch immer wieder echt gut im Ausblenden. Vegan essen ist zur Gewohnheit geworden, da musste ich nicht länger drüber nachdenken, warum ich das überhaupt tue. Immer wieder war ich auch konfrontiert mit der typischen hilflosen Wut, die angesichts von Leid und Gewalt ganz automatisch in mir auftaucht. Aber immer wieder konnte ich auch das gut abstellen: eine Strategie, um besser dazu zu passen und die definitiv für mehr Leichtigkeit gesorgt hat.

Aber ich merke gerade auch: je weniger ich all die schlimmen Dinge wegdrücke und wegrationalisiere, umso durchlässiger werde ich. Ich kann kaum noch zuhören, wenn es in einem Gespräch um Schlachtungen oder Tiere essen geht. Mir wird sofort schwindlig und mir wird schlecht.

Und dann gab es letztens doch wieder die Situation, wo jemand total begeistert davon erzählt, dass er gerne einen Jagdschein machen will, und ich merke, dass ich einfach so tue, als wäre ich gar nicht da. Weil ich gar nicht an die Gefühle ran will. Und weil ich keine Außenseiterin sein will.

So geht es hin und her und es fällt mir wirklich schwer, in der Welt, wie sie ist, authentisch mit dem Thema „vegan leben“ umzugehen.

Viele Daten und Fakten über Tierhaltung findest du übrigens hier: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

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4 Gedanken zu “Warum ich vegan lebe

  1. Hey Sabrina,
    schön geschrieben hast du das. Ich verstehe deine Gründe und ich bin auch ein bisschen neidisch ;).

    Wenn ich koche, kaufe ich Fleisch eigentlich auch nur noch beim Metzger im Nachbardorf, bei dem weiß ich, dass es eine Kuh oder ein Schwein war, dass nicht in der Massentierhaltung war :).

  2. Pingback: Gewaltfrei? Hä? - Niemblog

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