Warum du vermutlich gute Gründe hast, Fleisch zu essen

Fleisch essen - Zeit zum Aufbruch

Fleisch essen aus der Sicht der menschlichen Bedürfnisse

Wenn es dir so geht wie den meisten anderen Menschen in Deutschland, isst du seit deinem ersten Lebensjahr Fleisch. Das bedeutet, dass du

  1. Fleisch isst, solange du denken kannst
  2. dich nicht bewusst dafür entschieden hast, Fleischesser*in zu sein
  3. Fleisch essen für normal, natürlich und notwendig hältst.

Fleisch essen erfüllt uns zutiefst menschliche Bedürfnisse. Auf Fleisch zu verzichten auch. Ich will mit Hilfe der Grundsätze der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) eine neue Sichtweise auf das Fleisch essen eröffnen. Ich will dich dazu einladen, dir die Bedürfnisse hinter dem Fleisch essen und dem Fleischverzicht anzusehen.

Gleichzeitig ist mir wichtig, klarzustellen, dass ich selbst Veganerin aus tiefster Überzeugung bin – aus Mitgefühl und meinen inneren Werten entsprechend – und dies deshalb kein neutraler Artikel sein kann. Die Sicht auf die Bedürfnisse hinter Fleischkonsum und hinter der Ablehnung von Fleischkonsum kann meiner Meinung nach Brücken schlagen und neue Erkenntnisse möglich machen.

Bedürfnisse als Motivator für all unsere Handlungen

Alles, was wir tun, hat eine Anfangsmotivation. Diese Anfangsmotivation – das „warum“ hinter unseren Handlungen – ist das Bedürfnis. Genuss ist so ein Bedürfnis, aber auch Leichtigkeit. Ebenso Frieden und Gerechtigkeit. Um diese Bedürfnisse zu nähren, haben wir unendlich viele Möglichkeiten. Meist fallen uns aber nur sehr wenige, manchmal nur eine einzige ein. Denn wir haben gelernt, nicht in Bedürfnissen zu denken, sondern in konkreten Handlungen: „Ich brauche, dass mir X zuhört.“ anstatt „Ich brauche, dass ich gehört werde.“

Diese Bedürfnisse haben alle Menschen gleichermaßen; sie verbinden uns miteinander und sie ermöglichen Verständnis. Theoretisch kann ich jede Handlung verstehen, wenn ich das Bedürfnis dahinter verstehe. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich jede Handlung gut heiße. Es ist sehr gut möglich, ein Bedürfnis nachzuvollziehen und dennoch die Handlung (nicht den Menschen!) selbst zu verurteilen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Bedürfnisse niemals schlecht sind. Alle Bedürfnisse sind wundervoll, denn sie machen uns bewusst, was wir brauchen, um ein erfülltes Leben zu führen. Manche Bedürfnisse sind uns näher als andere, z.B. komme ich gut mit meinem Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit klar, während mir mein Bedürfnis nach Anerkennung manchmal unangenehm ist.

Sowohl dem Fleischkonsum als auch dem Fleischverzicht liegen Bedürfnisse zugrunde, die je nach Mensch ganz unterschiedlich sein können.

Menschen, die bewusst auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten, empfehle ich zuerst das Kapitel „Welche Bedürfnisse erfüllt Fleisch nicht zu essen?“ und die beiden Folgenden zu lesen und dann wieder hier einzusteigen.

Welche Bedürfnisse erfüllt Fleisch essen?

Um dahinter zu kommen, welche Bedürfnisse es erfüllen kann, Fleisch zu essen, habe ich Menschen befragt, die Fleisch essen. Und ich habe überlegt, welche Bedürfnisse mir schwer fielen zu erfüllen, als ich anfing, mich vegetarisch und später vegan zu ernähren.

Am häufigsten genannt wurde Genuss – positives, erfüllendes Sinneserleben. Fleisch und Genuss gehört für ganz viele Menschen, die ich kenne, zusammen. Genannt wird dabei nicht nur der Geschmack, sondern auch Geruch und Aussehen. Mir ist wichtig, Genuss als bedeutsames Bedürfnis anzuerkennen, das sich Menschen durch Fleisch essen erfüllen. Das fällt mir wahnsinnig schwer.

Dabei genieße ich auch viel, was mit Essen zu tun hat. Die Farben und Muster von Rotkohl und Lauch beim Aufschneiden. Das Brutzeln und der Geruch von Champignons, wenn ich sie scharf in der Pfanne anbrate. Die Farbe von Roter Bete an meinen Fingern, wenn ich sie verarbeite. Der Geschmack von Linsen, von Kartoffeln, von Süßkartoffeln, von der Mischung aus Sojasauce, Erdnussmus, Chili und Zitrone. Der Geruch von in der Pfanne angebratenen Zwiebeln und Knoblauch. Im Mund zart schmelzende Schokolade. Das Reinbeißen in knackige frische Paprika.

Gleichzeitig frage ich mich, wie Genuss mit Gewohnheit und angenehmen Erinnerungen zusammenspielt. Ich habe vorher geschrieben, dass wir oft nur wenige Mittel kennen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, es aber eigentlich viel mehr Möglichkeiten gibt. Trotzdem scheint es so zu sein, als ob Fleisch essen ein Genuss sei, der nicht so leicht zu ersetzen ist. Meine Vermutung war, dass unter der Oberfläche noch viel mehr Bedürfnisse schlummern. Und tatsächlich haben meine Befragten noch mehr genannt.

Fleisch essen kann Leichtigkeit erfüllen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – und das nicht von ungefähr. Gewohnheiten machen es uns leicht. Wir müssen nicht jedes Mal alles neu entscheiden, neu nachdenken. Wir machen einfach, was wir sonst auch immer machen. Das passiert sogar ganz ohne unser Zutun. Erst, wenn wir Gewohnheiten wieder loswerden wollen, wird es anstrengend.

Wenn wir davon ausgehen, dass Fleisch essen eine Gewohnheit ist, dann heißt das auch: Fleisch essen geht leicht, ist nicht anstrengend. Mit dem Fleisch essen und vielleicht auch kochen, kennst du dich aus. Du weißt, was dir schmeckt, wo du einkaufen oder essen gehen musst, um das zu bekommen, was dir schmeckt. Und du weißt vielleicht auch, wie du es am besten zubereitest, damit es schmeckt.

Wenn Gemüse, Tofu und Co. ins Spiel kommen, ist erstmal umdenken angesagt – vielleicht sogar: kochen komplett neu lernen. Neu herausfinden müssen, was dir davon schmeckt. Das mag ziemlich mühsam erscheinen, und wenn ich ehrlich bin: das ist es am Anfang auch.

Unser Leben ist so komplex, dass die meisten von uns froh sind, wenn sie es mal einfach haben. Gewohnheiten machen es uns einfach. Und da Fleisch essen eine Gewohnheit ist, ist es einfacher, Würstchen zu kaufen, statt zu überlegen, was ich alternativ kaufen und essen könnte.

Auch unser Unterbewusstsein steht darauf, Dinge immer gleich zu machen. Wer einmal versucht hat, seine oder ihre Gewohnheiten zu verändern, hat das sicherlich schmerzlich gemerkt. In einer Studie brauchten Probanden im Schnitt 66 Tage um eine neue einfache Gewohnheit anzunehmen, und mussten währenddessen ganz schön diszipliniert bleiben.

Fleisch essen kann Selbstfürsorge erfüllen

Sehr oft wurde auch das Bedürfnis nach Gesundheit oder Selbstfürsorge genannt.

Wir alle wollen gut für uns sorgen und uns gesund und ausgewogen ernähren. Wenn es dir so geht, wie den meisten Menschen, dann gehören Fleisch, Milch und Eier für dich zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung dazu. Klar gibt es immer Stimmen, die was anderes behaupten, aber letztendlich ist es auch schwierig selbst herauszufinden, was da nun dran ist.

Wenn es um Ernährung geht, weiß es jede*r besser. Die einen schwören auf Paleo, die nächsten auf vegan, wieder andere auf Low-Carb und die nächsten auf Rohkost. Und so weiter. Wenn du weißt, dass du mit deiner Ernährungsform bisher gut klar gekommen bist, warum solltest du sie umstellen? Warum ein Risiko eingehen? Immer wieder kursieren die wildesten Geschichten über mangelernährte Veganer*innen durchs Netz1.

Vor allem aber: wenn du deine Ernährung umstellen willst und dir nicht sicher bist, ob das für dich das Gesündeste und Beste ist, dann musst du recherchieren. Das bedeutet wieder Arbeit und alles andere als Leichtigkeit und Entspannung.

Fleisch essen kann Zugehörigkeit erfüllen

Wenn ich daran denke, was mir persönlich immer wieder fehlte, seitdem ich mich vegan/vegetarisch ernähre, dann ist es das Gefühl dazuzugehören. Besonders häufig erlebe ich das in Situationen, die mit Essen zu tun haben.

Wir alle wollen dazugehören, unter Gleichgesinnten sein und uns in einer Gruppe gut aufgehoben fühlen. Gemeinsam essen ist dafür etwas ganz Grundlegendes. Sei es in der Mittagspause, wenn alle zum Metzger gehen und der Vegetarier sein Extragemüse brät. Oder sei es im Gasthof, wenn alle von der Karte bestellen und die Veganerin nachfragen muss, ob es denn auch ein veganes Gericht gibt.

Menschen, die eine Unverträglichkeit oder Allergie haben oder aus anderen Gründen, z.B. weil sie sich vegan oder vegetarisch ernähren oder aus religiösen Gründen Einschränkungen beim Essen haben, wissen vermutlich, wie unangenehm es sich anfühlt, beim Essen nicht dazuzugehören. Eventuell kennst du das Gefühl auch aus anderen Bereichen, wo du etwas anders machst, als alle anderen.

Vielleicht findest du dich in dem einen oder anderen wieder, vielleicht auch nicht. Vielleicht fragst du dich, warum ich immer wieder schreibe, dass es auch andere Wege gibt, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Und du fragst dich, warum du überhaupt darüber nachdenken solltest, wenn du doch zufrieden bist mit dem, wie es gerade ist.

Ich möchte die Bedürfnisse aller Beteiligten mitbedenken: deine, meine eigenen, die anderer Veganer*innen und die der Tiere, die als Fleisch gegessen werden. Und ich möchte dich einladen, mich dabei zu begleiten – wenn du dich darauf einlassen magst.

Welche Bedürfnisse erfüllt Fleisch nicht zu essen?

Integrität – also die eigenen Werte leben – ist ein Bedürfnis, das mich sehr leitet. Auch einige andere, die ich gefragt haben, haben das als Bedürfnis hinter dem Verzicht auf Fleisch genannt.

Integrität ist die Übereinstimmung von Wert, Wort und Tat.

Mir ist wichtig, dass keinem Lebewesen unnötig Leid geschieht. Wenn ich Fleisch esse, trage ich aber dazu bei. Sobald mir dieses innere Spannungsfeld bewusst wird, muss ich irgendwie damit umgehen. Für mich ist das Leben in Einklang mit meinen Werten am meisten erfüllt, wenn ich mich dafür entscheide, kein Fleisch zu essen. Das entspannt mich und fühlt sich für mich in Frieden an.

Das, was passiert, wenn meine Werte und mein Verhalten nicht übereinstimmen, nennt sich Kognitive Dissonanz. Das ist die innere Anspannung, die entsteht, wenn mir bewusst wird, dass ich nicht entsprechend meinen Werten handle. Damit kann ich auf die unterschiedlichsten Weisen umgehen:

  • Ich ändere mein Verhalten.
  • Ich ändere meine Werte.
  • Ich finde meinen Frieden mit meiner Fehlbarkeit.
  • Ich verdränge mein neues Wissen und meide weitere Informationen aus der Richtung.
  • Ich dämpfe meine innere Anspannung durch andere Tätigkeiten, die Wohlbefinden auslösen (z.B. Alkohol, Zigaretten, Fernsehen).

Kein Fleisch zu essen kann Beitragen erfüllen

Auch der Wunsch Beizutragen zum Wohlbefinden anderer, sei es Mensch oder Tier oder sogar so etwas Abstraktes wie die Umwelt, ist ein Bedürfnis, das wir alle teilen.

Mein Beitrag ist, dass ich selbst bewusst keine Tiere und tierische Produkte esse oder verwende. Dieser Beitrag geht meines Erachtens über das individuelle Leid der Tiere hinaus. Er hängt auch mit dem Schutz unserer Umwelt zusammen und dem Wunsch, eine lebenswerte Welt für künftige Generationen zu hinterlassen. Zu meinem Beitrag gehört auch, dass ich darüber rede und neue Denkansätze ausprobiere, um ein Nachdenken und -fühlen anzustoßen. Beitragen kann so vielfältig sein. Doch es gibt immer ein Thema, das uns besonders anspricht, wo wir besonders Lust haben uns zu engagieren. Meine Themen sind unter anderem der Veganismus und die Gewaltfreie Kommunikation, mit denen ich versuche beizutragen.

Für mich ist Beitragen auch eng verknüpft mit Wirksamkeit. Ich will dort beitragen, wo mein Beitrag auch etwas bewirkt. Und aber auch dort, wo es mein Herz hinzieht – wo ich mir noch mehr Bedürfnisse als nur Beitragen erfüllen kann.

Kein Fleisch zu essen kann Selbstfürsorge erfüllen

Die eigene Gesundheit motiviert ebenfalls viele, kein Fleisch zu essen. Auch für Menschen, die Fleisch essen, war Gesundheit eine große Motivation. Hinter völlig gegensätzlichem Verhalten kann also das gleiche Bedürfnis stecken.

Weitere genannte Bedürfnisse waren: Frieden, Gerechtigkeit, Harmonie, Verantwortung, Genuss, Vitalität, Achtsamkeit, Respekt, Sinn, Zugehörigkeit, Leichtigkeit und Wohlbefinden.

Die Bedürfnisse der Tiere mit ins Boot holen

Nun ging es darum, die Bedürfnisse von Menschen, die Fleisch essen und Menschen, die auf Fleisch verzichten anzusehen. Doch die Bedürfnisse der anderen Beteiligten habe ich bisher weitgehend außen vor gelassen: der Tiere2.

Damit Fleisch gegessen werden kann, muss vorher ein Tier getötet werden. In den meisten Fällen wurde dieses Tier von klein auf in Gefangenschaft gehalten und wurde aufgezogen für den Zweck der Fleischgewinnung. Einen Überblick darüber, wie genau das für jede Tierart aussieht, bietet die Albert Schweitzer Stiftung. Im Großen und Ganzen können die Tiere in Gefangenschaft den meisten ihrer Bedürfnisse nicht nachgehen.

Für mich steht außer Frage, dass Tiere fühlen und leiden können. Dafür gibt es so viele Beispiele, dass ich meine, dass wir darüber gar nicht mehr diskutieren müssen. Mittlerweile haben sogar Gehirnscans von Hunden gezeigt, dass derselbe Ort im Gehirn3 bei Hunden wie bei Menschen aktiviert wird, wenn sie besonders positive Gefühle haben4. Das zeigt, dass wir uns mehr ähneln als gedacht. Gleichzeitig weiß man auch viel über die Bedürfnisse von Tieren. Teilweise teilen wir die gleichen Bedürfnisse, teilweise unterscheiden sie sich und teilweise können wir nur vermuten.

Ganz sicher können wir uns sein, dass Tiere das Bedürfnis nach Leben und Unversehrtheit mit uns Menschen teilen. Ebenso teilen wir die körperlichen Bedürfnisse nach Nahrung, Schlafen, Licht/Dunkel, Bewegung, Wärme/Kälte und Schutz. Auch können wir davon ausgehen, dass Tiere ebenfalls wie wir Menschen soziale Bedürfnisse haben, wie Zugehörigkeit zu einem Rudel/einer Herde/einer Familie, Anerkennung und Wertschätzung.

Wenn wir also die Bedürfnisse der betroffenen Tiere zum Thema Fleisch essen mit in unsere Überlegungen miteinbeziehen, liegt auf der Hand: dass Menschen ihr Fleisch essen ist nicht in deren Sinn.

Bedürfnisse hinter Fleisch essen

Alle Bedürfnisse unter einen Hut bringen

Wie kriegen wir nun die Bedürfnisse aller Beteiligten unter einen Hut? Für alle Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, ist offensichtlich: die Menschen, die Fleisch essen, sollten das doch einfach lassen. Dass es so leicht nicht ist, erleben wir aber jeden Tag auf’s Neue. Dazu gibt es viele Theorien und Gedanken5und was mir dabei auffällt ist: die Bedürfnisse der Menschen, die Fleisch essen, werden häufig nicht ernst genommen.

Ja, und das ist auch schwer, wenn ich diese riesenhafte Lücke klaffen sehe zwischen „Genuss des Menschen“ und „Leben wollen des Tieres“. Aber das ist auch nur die Spitze des Eisbergs. Und es lohnt sich, den ganzen Eisberg anzusehen. Ich merke, ich werde immer neugieriger, was es da noch zu entdecken gibt.

Gerade entdecke ich, dass es gute Gründe – wichtige Bedürfnisse – gibt hinter dem Fleisch essen. Die will ich anerkennen. Und gleichzeitig wünsche ich mir, dass es uns allen immer mehr gelingt, die Bedürfnisse aller Beteiligten im Blick zu behalten, also auch die der Tiere.

Ausblick

Ich habe mich bewusst in dem Artikel nur auf’s Fleisch bezogen. Die gleichen Fragen kann ich mir auch über den Konsum von Milch, Käse und Eiern stellen. Und über’s Autofahren, über Flugreisen, über Plastiktüten, über jedes halbe Jahr ein neues Smartphone kaufen, über Billig-Klamotten und vieles mehr.

Wie geht’s dir nach dem Lesen des Artikels? Hast du etwas Neues für dich gelernt? Spürst du Zustimmung oder Widerstand oder irgendwas dazwischen?

  1. nebenbei: gleichzeitig gibt es immer mehr vegane Leistungssportler*innen wie Patrik Baboumian, Scott Jurek und andere []
  2. Wenn ich im Folgenden von Tieren spreche, meine ich die Tiere, die normalerweise als Nutztiere gehalten werden: z.B. Rinder, Schweine, Puten, Hühner, Schafe, Enten []
  3. der Nucleus caudatus []
  4. Links: New York Times Artikel: Dogs are People, too und Psychology Today Artikel: Dogs, MRIs, and Emotions []
  5. zum Beispiel die Theorie des Karnismus: Karnismus erkennen []

11 Gedanken zu “Warum du vermutlich gute Gründe hast, Fleisch zu essen

  1. Ich finde es anprangernd…

    Zuallererst, ich bin weder Vegetarier noch ein großer Fleischesser. Evtl. ein Flexitarier.
    Es ist sehr einseitig und setzt voraus, dass es das A und O ist fleischlos zu leben. Zumindest entstand so bei mir der Eindruck.
    Die ganzen Zwischenebenen werden gar nicht beleuchtet.

    Nehmen wir mich mal als Beispiel:
    Ich kaufe Bio und Produkte die fair gehandelt sind, beteilige mich am Tierschutz soweit ich kann (Unterstützung von Petitionen/Spenden/ Weitervermittlung von Tieren etc. pp.). Ich selber habe 6 Katzen und da fängt es schon an. Natürlich bekommen die Proteine und Fleisch. Alles andere wäre schädlich.

    Ich selber bevorzuge z.B. Bei Milch Mandelmilch und Hafermilch. Nicht weil ,ihr die besser schmeckt… sie schmeckt anders, sondern weil ich generell nicht so viel davon verzehren möchte. Und nein… es geht mir nicht besser mit einer veganen Ernährung.
    Ich habe auf vieles verzichtet aufgrund von Neurodermitis. Geholfen hat nur eines: Vericht auf Zucker (Industrie) und Konservierungsmittel.
    Und aus Genuss esse ich keine tierischen Produkte, sondern weil mein Körper danach lechzt (entgegen meines Appetits).
    Ich brauche einfach auch tierisches Eiweiß damit ich rund laufe. Das ist auch nicht immer viel, aber gar nicht geht nicht. Und ich rede nicht von Fleisch. Ich esse schon von Kinderbeinen ganz wenig.

    Ich bin gegen all die Dinge, die mit Tieren gemacht werden,, allerdings halte ich eine bewusstere Haltung zu dem Thema viel wichtiger als einfach zu verzichten ohne genau zu wissen warum.

    Klar wäre das toll, wenn wir uns jetzt alle nur noch von Licht ernähren könnten, wie in dem Film „Am Anfang war das Licht“, aber dafür sind wir nicht gemacht.

    Ich denke, dass es auch einen gesunden Mittelweg geben muss.

    Auch jahrelanges Yoga hat mich nicht zu einem Veganer werden lassen. Ich bin aufmerksamer und achtsamer. Bewusster insgesamt. Das sollte das Ziel sein. Ein rundum achtsameres Leben mit viel weniger Dingen, die wir nicht brauchen und insgesamt einfach mehr Spass und Lebensfreude.

    Denn wenn ich anfange mich zu geißeln und zu verurteilen, weil ich dieses oder jenes mache und dadurch an Lebensfreude verliere, dann kann das auch nicht richtig sein.

    LG,
    Nicole

    • Liebe Nicole,
      Danke, dass du beschreibst, was du von mir verstanden hast.

      Ich verstehe von dir, dass du dich in den Bedürfnissen, die ich genannt habe, gar nicht wiedergefunden hast. Dein Grund Fleisch zu essen ist ein anderer, nämlich der, dass dein Körper dir signalisiert, dass er manchmal Fleisch braucht, damit du in deiner Kraft sein kannst. Du hast von mir verstanden, dass das nicht in Ordnung ist, und du dich meiner Meinung nach trotzdem vegan ernähren solltest, selbst wenn es für dich Verzicht auf Lebensfreude und Selbstgeißelung bedeuten würde.

      Außerdem hab ich verstanden, dass du dich an vielen Stellen für Tiere und unsere Umwelt einsetzt. Und da würdest du dir wünschen, dass das auch zählt und gewürdigt wird. Hab ich das richtig verstanden?

      Mir geht es in dem Artikel darum, die Bedürfnisse aller im Blick zu behalten. Gerade – und das ist für mich auch neu – auch die der Menschen, die Fleisch essen. Aber ich vermute, dass ich da nicht genug differenziert habe. Es gibt ja Menschen, die jeden Tag ziemlich viel Fleisch essen und dann gibt es auf der anderen Seite der Skala die, die sehr selten Fleisch essen. Ich habe in dem Artikel die ersteren angesprochen. Wenn du dich da mit angesprochen fühlst, als jemand, der sehr bewusst lebt und sehr selten Fleisch isst, dann kann ich gut verstehen, dass du dich in dem Artikel nicht wiedergefunden hast und eventuell verärgert bist.

      Vielleicht nochmal deutlicher: Ich will nicht, dass jemand aus Schuldgefühlen vegan wird. Ich wünsche mir, dass Menschen bewusst wird (wenn es noch nicht bewusst ist), dass beim Fleisch essen die verschiedensten Bedürfnisse ins Spiel kommen, nicht nur die eigenen, sondern auch die der Tiere. Gleichzeitig will ich auch die Bedürfnisse hinter dem Fleisch essen sehen und würdigen. Und wenn jemand sich dazu entscheidet, vegan zu werden oder weniger Fleisch zu essen, dann wünsche ich mir, dass das aus der reinen Freude am Beitragen und Liebe zum Mitwesen und zur Mitwelt und zu sich selbst geschieht.

      Magst du mir sagen, was du von mir verstanden hast und wies dir damit geht?

      Ganz liebe Grüße,
      Sabrina

    • Versteh ich das richtig, dass dir der Artikel gut gefällt, du das Thema wichtig findest und du findest, dass er auch in eine Zeitschrift wie die Empathische Zeit passen könnte?

  2. … es könnte so einfach sein – isses aber nicht!

    Danke liebe Sabrina für diesen sehr differenzierten, ehrlichen und respektvollen Artikel, den ich gerne anderen empfehlen werde.

    Liebe Grüße

    Arno

  3. Ich habe nur „Zugehörigkeit“ und „Gründe kein Fleisch zu essen“ gelesen.
    Ich lebe Drogenfrei (Kein Kaffee, Zigaretten, Alkohol, etc) ich esse Rohkost. Ich brauche im Restaurant gar nicht fragen. Sie haben nichts für mich. Ich kann nur Wasser trinken, dann natürlich Leitungswasser.

    Ich kann mit Freunden nur essen, wenn ich sie zu mir einlade. Wirklich gute Freunde haben Karotten für mich am Buffet liegen. ;-)

    Was mir hilft: Werte, Körpergefühl. Mein Körper ist fit, ich fühle Natur in mir und die Energie der Sonne pulsiert durch meine Adern. Der Preis ich muss weitgehend isoliert leben. Viel zu viele soziale Events haben mit Essen zu tun. :-(

    • Hey, danke für deinen Kommentar! Mir gefällt deine Beschreibung „Mein Körper ist fit, ich fühle Natur in mir und die Energie der Sonne pulsiert durch meine Adern.“ voll gut. Da kommt bei mir ganz viel Lebensfreude und Lebensqualität rüber :))

  4. Hallo,

    ich vermisse bei den Gründen, kein Fleisch zu essen, Dinge wie Oppositionshaltung oder Übertragung (Stellvertreterkampf).
    Selbst im Ausblick wird nur von Konsum gesprochen. Ich fürchte, die Einsicht, dass man sich halt einfach um irgendwas kümmern will (um letztlich bei sich selbst was zu bearbeiten), bei Menschenrechten oder Politik aber Schiss hat, sich die Finger zu verbrennen, ist ziemlich schmerzhaft. Zum Glück haben wir Sprache. Damit können wir uns z.B. sehr schön seelische Schmerzmittel formulieren. Sogar gewaltfrei, dann tun die Selbsteinsichten nicht weh.

    Es nervt einfach, wenn mal wieder jemand ganz viel und ganz nett (und ganz ganz ganz richtig!!!) drüber schreibt, wie es ihr oder ihm selber besser geht. Und dann den großen Erklährbär im Netz macht, damit aus der Filterblase etwas Selbstbestätigung zurückkommt. Wenn die Leute wenigstens was mit Regenwald oder Walen machen würden. Aber nein, sie frickeln sich irgendwas zusammen, damit es sich nicht so dekadent anfühlt, im Bioladen einzukaufen. Am vernünftigsten wäre es doch, wenn von allem etwas weniger da wäre, nicht? Fleischkonsum, Konsum allgemein, aber auch Rechthaberei, Selbstüberzeugungsgeschwafel und Menschen ganz allgemein. Das ist aber nicht so, auch bei keinem Veganer. Dieses ganze Gehabe, bei dem die eigene Person im Vordergrund steht, ob es sich nun dadurch ausdrückt was sie isst oder was sie denkt (bei dem Artikel hier stelle ich mir die Henne-Ei-Frage), stellt Veganer eigentlich auf eine Stufe mit SUV-Fahrer_innen, Meistergrillern, Sonnenanbetern und was es sonst noch so alles an Menschen gibt. Aber – sorry – keinesfalls mit irgendwem, der sowas wie Erkenntnis hat. Die sind nicht hier, die halten den Mund, falten die Hände überm Bauch in der Sonne und warten wahrscheinlich Schlucht ab. Keinesfalls mühen sie sich mit Aufsätzen ab, die bis zur Zerfaserung im Differenzierungsstyle geschliffen, in nur einem ganz deutlich ist: Ich muss mich mit mir selbst auseinandersetzen, ich will Kontakt mit anderen Menschen, ich will gern anders sein, ich will mich selbst finden und das läuft über Abgrenzung, Abgrenzung klingt aber doof, also sollen alle das so sehen, also schreibe ich das ins Netz… Leute und dann müssen noch die armen Tiere dafür herhalten. Wenn die die Wahl hätten zwischen dieser halbgaren Psychonummer und ner Bratpfanne, ich tippe auf letzteres. Nehmt eure Wehwechen mal bitte nicht so ernst, das ist ja kaum zum aushalten! :-)

    Seid trotzdem liebst umarmt, das wird schon wieder.

    Preisfrage: Erzählen wir den Nahostflüchtlingen was von veggi sein, wenn sie nicht mehr kommen um zu betteln, sondern um uns zu verfrühstücken?

    Preisfrage 2: Ja Sabrina, du willst das ganz gerne jetzt löschen, was ich hier geschrieben habe. Solltest du nicht lieber ein Tagebuch führen statt zu bloggen?

    Nochmal herzlich

    Rudolf Pazofsky

    • Hallo,
      Leider verstehe ich nicht ganz, was du mit deinem Kommentar sagen willst. Ich versteh von dir nur, dass du das was ich schreibe und wie ich es schreibe, ziemlich blöd findest. Anscheinend blöd genug, um einen ziemlich langen Kommentar zu hinterlassen. Aber was fändest du denn gut? Und was haben die Nahostflüchtlinge mit dem ganzen Thema zu tun?

  5. Bei den Bedürfnissen kann man noch ganz grundlegende Gelüste und Genüsse anbringen: Salz, Fett, (angeröstete) Eiweiße schmecken nicht nur toll sondern wecken auch Apettit. Evolutionär bedingt ist das auch sinnvoll da es auf Basis tierischer Nahrung nicht nur in kurzer Zeit bereits eine ausreichende Nährstoffversorgung sichert sondern oftmals die einzige Art war überhaupt den Winter zu überleben.
    Und heutzutage ist es meist immer noch so daß diese Aromen in den gängigen Gerichten ums Fleischgericht herum versammelt sind und nicht in der faden „Sättigungsbeilage“ daneben.
    Allerdings ist dank mager&gesund sowie bewegungsarmer Haltung mit Kraftfutter das eigentliche „Fleisch“ kaum noch ein Geschmacksträger, und die letzten Fettränder werden auch meist weggeschnibbelt – die geschmacksintensiven Innereien landen sowieso fast nur noch im Hundefutter.
    Geschmacklich bleibt vom mit Fleisch verknüpften Genuß eigentlich nur noch das herzhaft angeschmorte Eiweiß – bekommt man mit einem Steak in Grill oder Pfanne so gut wie narrensicher hin, ein vergleichbares Erlebnis rein pflanzlich zu erzielen braucht da schon deutlich mehr Geschick.
    Bleibt noch die Textur, da fällt mir nichts ein daß auch nur annähernd mit Fleisch vergleichbar ist. Allerdings stehen auf der Beliebtheitsliste Hamburger, Würste und Fleischkäse ganz weit oben, und da bleibt von den Fasern nix mehr übrig…

    Daß Fleisch zu essen einfacher ist kann ich nicht bestätigen, bei mir ist der Fleischverzehr nämlich in dem Maß zurückgegangen wie ich zunehmend selbst gekocht habe: Obst und Gemüse braucht keine durchgehende Kühlkette und ist auch weitgehend unproblematisch wenn man es mal ein paar Tage länger lagert. Und auch in der Zubereitung ist es halb so wild wenn mal ne Ecke noch nicht ganz durch ist oder etwas zu lang gegart wurde, Fleisch ist dann hingegen schonmal unerwünscht halbroh oder bereits zäh.
    Abgesehen davon ist Küche mit tierischen Zutaten eine Menge Arbeit, merkt man nur meist nicht weil es normalerweise die Brühwürfelfabrik und (oft unterbezahlte) Schlachthofmitarbeiter erledigt haben.

    Daß Essen ein sozial verbindendes Element ist trifft allemal zu, aber anders als beim Bechern in der Kneipe ist es nicht so daß das mit Fleischkonsum verbunden ist: Wer beim Grillsport mit Tofuwürstchen auftaucht oder gar den Rost mit Gemüse kontaminiert ist zwar kurz vorm gelyncht werden, aber genauso gibts auch Orte und Veranstaltungen wo man mit der Bratwurst in der Hand ähnlich fehlplaziert ist.
    Ansonsten gibts z.B. auch beim hiesigen eher traditionell ausgelegten Mittagstisch-Metzger immer auch ein vegetarisches Gericht, Salate und Süßspeisen – da fällts nicht weiter auf wenn jemand fleischfrei mitfuttert (vegan wird schwieriger, da bliebt nur noch das halbe Salatbuffet übrig… vegetarisch heißt beim Metzger nunmal daß stattdessen die doppelte Menge Milchprodukt oder Ei rein kommt ;).
    Und wenn ich mir beim Italiener Suppe oder Bruschetta als Vorspeise nehm, eine Pizza oder Pasta Funghi (käsefrei aus Geschmacksgründen) nebst Wein genehmige hängts am Ende nur noch davon ab ob es Tiramisu gibt oder nicht um ohne drüber nachzudenken ein mehr oder weniger veganes und dennoch völlig durchschnittliches Essen gehabt zu haben.
    Da find ich die Einschränkungen wenn jemand z.B. kein Gluten zu sich nimmt oder nur Rohkost futtert deutlich gravierender…

    Bezüglich Integrität kann das auch anders funktionieren:

    Wenn man der Ansicht ist daß der Mensch die Krone der Schöpfung ist dann ist es nur konsequent auch auf der Spitze der Nahrungspyramide zu stehen und nicht Gras mampfend neben dem Rindvieh. Will ich jetzt gar nicht weiter drauf eignehen, aber wenn mal es mal aus dieser Perspektive betrachtet dann sieht so manche Motivation ganz anders verständlich aus.

    Oder pragmatischer die Sicht hat daß die Natur ein einziges Fressen und Gefressen werden ist, und der Mensch am Ende auch nur ein Naturgewächs.
    Interessant ist dabei auch das Zusammenspiel von Mensch und Umgebung, was ja keine Einbahnstraße ist: Viele Landschaften und sind in der heutigen Form erst durch Nutztierhaltung entstanden, z.B. die Heidelandschaften der Alb. Wie geht es mit diesen weiter wenn deren ursprünglicher Zweck entfällt? Oder was ist mit den ganzen Nutztierrassen?
    Da gibts dann keine einfachen Antworten mehr…

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