Gewaltfrei? Hä?

gewaltfrei - Foto Skulptur in Malmö

Blogeintrag als Audio-Datei anhören:

Seit Neuestem trägt der Niemblog den Untertitel „nachhaltig – gewaltfrei – vegan“. Die Wörter „nachhaltig“ und „vegan“ sind ja mittlerweile irgendwie klar – insbesondere im Kontext vieler meiner Blogartikel. Aber „gewaltfrei“ benötigt vielleicht noch eine Erklärung – oder besser gesagt: ich würde gerne erklären, was „gewaltfrei“ für mich bedeutet und warum ich das wichtig finde.

Zunächst ging es mir darum, dass ich irgendwie kenntlich machen wollte, dass ich mittlerweile auch ab und zu über „Gewaltfreie Kommunikation“ schreibe. Dann hab ich gedacht: Naja, vielleicht schreibst du dann einfach „gewaltfrei“, das passt doch bestimmt. Damit ich mir aber nicht einen Hut aufsetze, der mir nicht passt, habe ich mich etwas eingehender mit den Themen Gewalt und Gewaltfreiheit befasst.

Gewaltfreiheit nach Gandhi mit Übergang zur Jetzt-Zeit

Wenn über Gewaltfreiheit1 nach Gandhi2 gesprochen wird, dann immer als Mittel zum Zweck – d.h. gewaltfreie Aktionen, wie z.B. der Salzmarsch, mit einem bestimmten politischen Ziel vor Augen. Für ihn war aber vor allem die Haltung dabei wichtig. Dem Gegner sollte freundschaftlich und ohne Hass gegenübergetreten werden. Er sollte überzeugt werden, anstatt dazu gezwungen, entgegen seiner Überzeugung zu handeln. Und das ist für mich der springende Punkt: den anderen trotzdem noch als Menschen zu sehen, anstatt als das personifizierte Böse. Continue reading

  1. eigentlich hieß Gandhis Weg „Satyagraha“ – übersetzt mit „an der Wahrheit festhalten“ []
  2. vgl. Satyagraha und Ahimsa []

Glückstagebuch führen – dankbar sein – die Welt verändern!

Glückstagebuch - der Duft von Lavendel
Nach 4 Monaten Auszeit merke ich jetzt doch langsam, dass ich mir ein bisschen Struktur für meinen Alltag wünsche.

Dafür habe ich mir ein paar Dinge ausgesucht, die mir nachweislich gut tun und die zu einer bestimmten Tageszeit sinnvoll zu tun sind. Dazu gehört: Glückstagebuch führen. Darauf bin ich vor anderthalb Jahren gestoßen, als ich bei einer Studie über Glück und Wohlbefinden mitgemacht habe und eines geschenkt bekommen habe.1

Was ist ein Glückstagebuch?

Die Idee des Glückstagebuchs ist es, jeden Abend zu überlegen, welche Situationen und kleinen oder großen Momente an diesem Tag dich glücklich oder dankbar gemacht haben und diese aufzuschreiben. Die Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht, der Duft von Lavendel, das Lächeln im Gesicht eines Freundes, das Gefühl von Zu-Hause-Sein, das Quietschen eines Entenbabys, eine UmarmungContinue reading

  1. Dazu gab’s einen Post-It „Wofür bist du heute dankbar?“ für’s Badezimmer. Super! Hängt heute noch. Und inspiriert mittlerweile sogar Gäste und den Partner. []

Auszeit nehmen: Zwischenstand nach 4 Monaten

Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2 der Reihe „Auszeit nehmen“.
auszeit nehmen
Vier Monate Auszeit sind vorbei. Zeit für einen Zwischenstand, ein Innehalten und einen klitzekleinen Blick nach vorne.

Was hab ich in der Zeit gemacht?

Man könnte sagen: radikal ausgemistet. Und zwar keine Dinge, sondern Tätigkeiten, die mir gerade keine Freude machen. Oder Tätigkeiten, die mir, so wie ich sie gerade tue, keine Freude machen.

Ich habe versucht, möglichst auf meine Bedürfnisse zu hören und entsprechend zu schauen, wonach mir gerade ist. Und ich habe bei vielen Dingen gemerkt, dass ich sie eher in der Hoffnung mache, dass sie bestimmte Bedürfnisse erfüllen, anstatt dass sie es tatsächlich tun.

auszeit nehmen

Aber was hab ich konkret gemacht? Ich habe tatsächlich deutlich mehr Zeit auf dem Sofa verbracht, als früher. Ich denke, das war nötig, denn vor meiner Auszeit mangelte es mir sehr an Ruhe und Erholung und ich fühlte mich ständig erschöpft. Und ich merke auch, dass das noch nicht vorbei ist.

Ich habe Freundschaften gepflegt und erneuert und neu aufgenommen. Dabei habe ich vor allem Treffen zu zweit gesucht, für möglichst intensive und bedeutsame Gespräche. Anstatt zu warten, bis sich mal jemand bei mir meldet (wie ich das früher oft getan habe), bin ich auf die Menschen zugegangen, mit denen ich gerade Kontakt haben wollte. Continue reading

Warum ich vegan lebe

warum vegan
Gerade bin ich wieder sehr mit dem Schmerz in Verbindung gekommen, der mich vor vier Jahren dazu bewogen hat, mich von nun an vegan zu ernähren. Ich bereite gerade ein Quiz vor, das sich um Milchkuhhaltung dreht, das leicht zugänglich ist und ohne böse Bilder auskommt. Dabei bin ich auf eine für mich neue Information gestoßen, die mich total fassungslos und traurig gemacht hat: schwache Kälber werden zwangsgetränkt, indem ihnen ein Plastikschlauch in den Magen geschoben wird, weil ihr Saugreflex nicht ausgeprägt genug ist. Wohlgemerkt in dem Kontext, dass die Kälber zuvor der Mutter weggenommen wurden und Kalbsfleisch aus ihnen gemacht werden soll. Aber das ist ja eh klar.

Und ich frage mich: Warum trifft mich so eine Zusatzinformation, die alles in allem ja auch nicht schlimmer ist, als all das, was ich bereits über die Intensiv-Tierhaltung weiß, so sehr? Ist es nicht schlimm genug, dass es überhaupt so etwas wie Mastkälber gibt? Ich hätte erwartet, abgestumpfter zu sein. Tatsächlich lese ich diese Texte auch absichtlich nicht komplett durch, sondern scanne nach den Informationen, die ich suche.

Trotzdem bin ich dankbar dafür, dass ich gerade diesen Schmerz spüren kann. Es strengt mich total an und ich komme mit meiner Aufgabe, dieses Quiz zu machen, ziemlich langsam voran. Aber ich bin mit dem verbunden, was mich bewegt. Und zwar nicht mit dieser hilflosen Wut, sondern mit der Traurigkeit, der Fassungslosigkeit und dem Schmerz. Und ich bin dankbar, dass ich das auch vor vier Jahren geschafft habe, als ich zum ersten Mal so viele Informationen über Massentierhaltung und -schlachtung für mich zusammengetragen habe. Continue reading

Wildkräuter-Wissen: Kein Hexenwerk

Wildkräuter-Wissen
Seit Sonntag hat mich das Wildkräuter-Fieber wieder gepackt. Ich war bei einem Wildkräuter-Kurs der besonderen Art: nur 3-4 Kräutlein pro Einheit, dafür haben die Teilnehmer die Gelegenheit sich selbst mit Hilfe von Büchern und dem Internet zu erarbeiten, wofür diese gut sind, was sie kennzeichnet und wo man sie findet. Das hat mir wirklich gefallen. Einerseits, weil ich nicht alleine vor mich hinwurschtel,1 sondern mit Gleichgesinnten; andererseits weil ich mir durch’s selbst erarbeiten natürlich viel mehr merke. Und besonders schön wird’s dann, wenn noch eine ein paar geschichtliche oder mythologische Hintergründe weiß, oder einer auf eine Anwendung jenseits von Essen hinweisen kann.

Und dazu braucht es nicht einmal einen Experten! Such dir ein paar Pflanzen aus, die dich interessieren, schnapp dir ein paar Freunde und macht euch gemeinsam auf den Weg, euer Wissen zu erweitern.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du dich länger mit dem Thema auseinandersetzten willst, kannst du dir ja erstmal Bücher ausleihen. Oder du machst Fotos von den Pflanzen und vergleichst diese mit Fotos aus dem Internet.

So bin ich mit ganz offenen Augen nach Hause durch den Wald geradelt und habe wieder einige für mich neue essbare Wildpflanzen entdeckt. Schon in den letzten Jahren bin ich immer wieder mit dem „Essbare Wildpflanzen“-Buch2 durch den Wald gestapft und habe mir pro Jahr immer wieder ein paar neue Pflänzlein erarbeitet. Meistens sind es solche, die ich sehr häufig sehe und dann im Buch oder Internet nachsehe, ob man die essen kann. Continue reading

  1. was dennoch auch schön sein kann, keine Frage! []
  2. siehe unten []

Schnürsenkel ganz einfach selber machen

Schnürsenkel selber machen
Es trug sich zu, dass ich Schuhe ohne Schnürsenkel geschenkt bekam. Nun war mein erster Gedanke: Wo krieg ich denn bio-faire Schnürsenkel her? Der zweite: Aber hallo! Das muss man doch auch selber machen können!

Inspiriert hat mich die liebe Friederike, die gerade ganz viele Schnüre aus Stoffresten macht. Also hab ich gedacht, dass man so ja sicher auch Schnürsenkel selber machen kann.

Um zu überprüfen, ob das schonmal jemand gemacht hat, hab ich erstmal Google bemüht. Zum Thema „Schnürsenkel selber machen“ gab es da aber nur selbstgenähte Schnürsenkel. Das war mir zu aufwendig. Continue reading

Alltag ohne Facebook (Teil 2)

Hier geht’s zum ersten Artikel der Reihe „Ohne Facebook“.

Alltag ohne Facebook

Nach einer Woche

Nach einer Woche ohne war ich wieder auf Facebook. Ich habe mir den Wecker gestellt und eine Liste geschrieben, was ich dort tun musste.

Ausversehen habe ich gelesen, dass zwei Leute meinen letzten Blogartikel kommentiert haben. Aber ansonsten bin ich standhaft geblieben und habe nicht auf die kleinen roten Benachrichtigungskästchen geklickt, die mich die ganze Zeit provokativ angestarrt haben. Zwei private Nachrichten und 40 Benachrichtigungen über – irgendwas. Zwischendurch sind auch wieder Nachrichten aufgeploppt, dass in irgendeiner Gruppe etwas gepostet wurde. Ich bin richtig ins Schwitzen gekommen, weil ich so unbedingt diese roten Kästchen anklicken wollte, damit sie nicht mehr rot sind. Und vielleicht wäre ja eine der privaten Nachrichten wichtig gewesen? Ich tröste mich damit, dass ja jeder meinen Blog lesen kann und dann weiß, dass ich das nicht lese.
Ich war in 10 Minuten fertig und habe mich wieder ausgeloggt. Und dann frage ich mich, ob ich es nicht übertreibe. Was wäre denn so schlimm daran, zu lesen, was alles auf der Timeline steht? Oder was mir irgendwer als Nachricht geschrieben hat? Continue reading

Auszeit nehmen – „ich muss“-Gedanken auflösen

"ich muss"-gedanken auflösen
In meinem ersten Artikel über’s Auszeit nehmen schrieb ich ja, dass ich erstmal nur noch das tun will, was ich mit spielerischer Freude tun würde. Und das ist gar nicht so einfach.

Manchmal weiß ich echt nicht, was das ist.

Und manchmal weiß ich nur, was es definitiv nicht ist.

Und manchmal lenkt etwas davon ab. Facebook habe ich ja bereits abgeschaltet. Dafür hab ich seit Neuestem Online Mahjongg entdeckt.

Und manchmal fehlt auch das gewisse Etwas, das eine Tätigkeit von „muss halt sein“ auf „mach ich gerne“ anhebt. Das kann Musik sein, die dabei hilft, dass Aufräumen und Putzen Spaß machen. Oder das kann sein, dass ich etwas, anstatt es einfach irgendwie zu machen, eben schön mache.

Manchmal ist es auch klar.

Und manchmal gibt es Termine, wo ich hin muss. Oder wo ich denke, dass ich hin muss. Continue reading

Cloud Atlas – eine Art Rezension

Cloud Atlas von David Mitchell Rezension
Heute gibt es mal etwas anderes im Niemblog: seit drei Jahren liegt diese Rezension in meinen Entwürfen, weil ich mir damals nicht sicher war, ob sie hier reinpasst oder nicht. Aber ich finde sie eigentlich ziemlich gut und das Buch ist wundervoll und einzigartig und passt auch irgendwie zur Thematik im Blog. Also los geht’s:

Seitdem ich den Film „Cloud Atlas“ im Kino gesehen hatte, ließ mich die Geschichte nicht mehr los. Ich musste sofort das Buch von David Mitchell lesen, auf dem der Film basiert. Es ist bereits der dritte Roman des Autors, der für seine ungewöhnliche Art zu erzählen bekannt ist.

„Cloud Atlas“ erzählt eine Geschichte – nein 6 Geschichten – oder doch eine? – in 6 Epochen.

Es beginnt mit einem Tagebuch aus den 1850er Jahren: der Anwalt Adam Ewing reist mit dem Schiff zurück in die Vereinigten Staaten und freundet sich gegen seinen Willen mit einem Schwarzen an.

Sein Tagebuch gelangt 1936 in die Hände des jungen, mittellosen Komponisten Robert Frobisher, der bei einem berühmten, jedoch altersschwachen Komponisten angestellt ist und diesem dabei hilft seine musikalischen Ideen zu Papier zu bringen. Während Frobisher in der Villa des Komponisten lebt und arbeitet, schreibt er Briefe an seinen Geliebten Rufus Sixsmith. Continue reading

Ohne Facebook (Teil 1)

Ohne Facebook
Als ich vor Kurzem mit einem Freund telefonierte, bemerkte ich so ganz beiläufig:
„Ja, eigentlich ist grad alles voll gut, ich bin halt grad recht viel online.“
Und er so: „Mehr als du eigentlich willst?“
Und ich: „Hm, ja, irgendwie schon.“1
Und schon waren wir beim Thema. Wie ich in den letzten Tagen in jeder freien Minute auf Facebook geschaut habe; wie ich immer wieder die gleichen Schlagzeilen las; wie ich immer wieder auf „neu laden“ klickte um herauszufinden, ob wieder was Neues draufsteht.
Und wie mich das überhaupt nicht interessiert! Mich interessieren weder die ganzen negativen Schlagzeilen, noch die meist völlig belanglosen Posts von Freunden und Bekannten. Und trotzdem ist mein erster Impuls, wenn ich mit irgendeiner Aufgabe fertig bin und kurz entspannen will: jetzt mal kurz auf Facebook schauen. Dann die kurze Befriedigung und Entspannung und dann diese Leere. Als mein Telefon-Freund und ich das also etwas unter die Lupe nahmen, meinte er so: „Irgendwie klingt das ziemlich nach Suchtverhalten.“
Und ich so: „Oh mein Gott! Du hast so recht.“ Continue reading

  1. Konversation ganz grob aus dem Kopf, vielleicht auch völlig falsch, aber von der Essenz her passend. []