Warum ich vegan lebe

warum vegan
Gerade bin ich wieder sehr mit dem Schmerz in Verbindung gekommen, der mich vor vier Jahren dazu bewogen hat, mich von nun an vegan zu ernähren. Ich bereite gerade ein Quiz vor, das sich um Milchkuhhaltung dreht, das leicht zugänglich ist und ohne böse Bilder auskommt. Dabei bin ich auf eine für mich neue Information gestoßen, die mich total fassungslos und traurig gemacht hat: schwache Kälber werden zwangsgetränkt, indem ihnen ein Plastikschlauch in den Magen geschoben wird, weil ihr Saugreflex nicht ausgeprägt genug ist. Wohlgemerkt in dem Kontext, dass die Kälber zuvor der Mutter weggenommen wurden und Kalbsfleisch aus ihnen gemacht werden soll. Aber das ist ja eh klar.

Und ich frage mich: Warum trifft mich so eine Zusatzinformation, die alles in allem ja auch nicht schlimmer ist, als all das, was ich bereits über die Intensiv-Tierhaltung weiß, so sehr? Ist es nicht schlimm genug, dass es überhaupt so etwas wie Mastkälber gibt? Ich hätte erwartet, abgestumpfter zu sein. Tatsächlich lese ich diese Texte auch absichtlich nicht komplett durch, sondern scanne nach den Informationen, die ich suche.

Trotzdem bin ich dankbar dafür, dass ich gerade diesen Schmerz spüren kann. Es strengt mich total an und ich komme mit meiner Aufgabe, dieses Quiz zu machen, ziemlich langsam voran. Aber ich bin mit dem verbunden, was mich bewegt. Und zwar nicht mit dieser hilflosen Wut, sondern mit der Traurigkeit, der Fassungslosigkeit und dem Schmerz. Und ich bin dankbar, dass ich das auch vor vier Jahren geschafft habe, als ich zum ersten Mal so viele Informationen über Massentierhaltung und -schlachtung für mich zusammengetragen habe. Continue reading

Wildkräuter-Wissen: Kein Hexenwerk

Wildkräuter-Wissen
Seit Sonntag hat mich das Wildkräuter-Fieber wieder gepackt. Ich war bei einem Wildkräuter-Kurs der besonderen Art: nur 3-4 Kräutlein pro Einheit, dafür haben die Teilnehmer die Gelegenheit sich selbst mit Hilfe von Büchern und dem Internet zu erarbeiten, wofür diese gut sind, was sie kennzeichnet und wo man sie findet. Das hat mir wirklich gefallen. Einerseits, weil ich nicht alleine vor mich hinwurschtel,1 sondern mit Gleichgesinnten; andererseits weil ich mir durch’s selbst erarbeiten natürlich viel mehr merke. Und besonders schön wird’s dann, wenn noch eine ein paar geschichtliche oder mythologische Hintergründe weiß, oder einer auf eine Anwendung jenseits von Essen hinweisen kann.

Und dazu braucht es nicht einmal einen Experten! Such dir ein paar Pflanzen aus, die dich interessieren, schnapp dir ein paar Freunde und macht euch gemeinsam auf den Weg, euer Wissen zu erweitern.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du dich länger mit dem Thema auseinandersetzten willst, kannst du dir ja erstmal Bücher ausleihen. Oder du machst Fotos von den Pflanzen und vergleichst diese mit Fotos aus dem Internet.

So bin ich mit ganz offenen Augen nach Hause durch den Wald geradelt und habe wieder einige für mich neue essbare Wildpflanzen entdeckt. Schon in den letzten Jahren bin ich immer wieder mit dem „Essbare Wildpflanzen“-Buch2 durch den Wald gestapft und habe mir pro Jahr immer wieder ein paar neue Pflänzlein erarbeitet. Meistens sind es solche, die ich sehr häufig sehe und dann im Buch oder Internet nachsehe, ob man die essen kann. Continue reading

  1. was dennoch auch schön sein kann, keine Frage! []
  2. siehe unten []

Schnürsenkel ganz einfach selber machen

Schnürsenkel selber machen
Es trug sich zu, dass ich Schuhe ohne Schnürsenkel geschenkt bekam. Nun war mein erster Gedanke: Wo krieg ich denn bio-faire Schnürsenkel her? Der zweite: Aber hallo! Das muss man doch auch selber machen können!

Inspiriert hat mich die liebe Friederike, die gerade ganz viele Schnüre aus Stoffresten macht. Also hab ich gedacht, dass man so ja sicher auch Schnürsenkel selber machen kann.

Um zu überprüfen, ob das schonmal jemand gemacht hat, hab ich erstmal Google bemüht. Zum Thema „Schnürsenkel selber machen“ gab es da aber nur selbstgenähte Schnürsenkel. Das war mir zu aufwendig. Continue reading

Alltag ohne Facebook (Teil 2)

Hier geht’s zum ersten Artikel der Reihe „Ohne Facebook“.

Alltag ohne Facebook

Nach einer Woche

Nach einer Woche ohne war ich wieder auf Facebook. Ich habe mir den Wecker gestellt und eine Liste geschrieben, was ich dort tun musste.

Ausversehen habe ich gelesen, dass zwei Leute meinen letzten Blogartikel kommentiert haben. Aber ansonsten bin ich standhaft geblieben und habe nicht auf die kleinen roten Benachrichtigungskästchen geklickt, die mich die ganze Zeit provokativ angestarrt haben. Zwei private Nachrichten und 40 Benachrichtigungen über – irgendwas. Zwischendurch sind auch wieder Nachrichten aufgeploppt, dass in irgendeiner Gruppe etwas gepostet wurde. Ich bin richtig ins Schwitzen gekommen, weil ich so unbedingt diese roten Kästchen anklicken wollte, damit sie nicht mehr rot sind. Und vielleicht wäre ja eine der privaten Nachrichten wichtig gewesen? Ich tröste mich damit, dass ja jeder meinen Blog lesen kann und dann weiß, dass ich das nicht lese.
Ich war in 10 Minuten fertig und habe mich wieder ausgeloggt. Und dann frage ich mich, ob ich es nicht übertreibe. Was wäre denn so schlimm daran, zu lesen, was alles auf der Timeline steht? Oder was mir irgendwer als Nachricht geschrieben hat? Continue reading

Auszeit nehmen – „ich muss“-Gedanken auflösen

"ich muss"-gedanken auflösen
In meinem ersten Artikel über’s Auszeit nehmen schrieb ich ja, dass ich erstmal nur noch das tun will, was ich mit spielerischer Freude tun würde. Und das ist gar nicht so einfach.

Manchmal weiß ich echt nicht, was das ist.

Und manchmal weiß ich nur, was es definitiv nicht ist.

Und manchmal lenkt etwas davon ab. Facebook habe ich ja bereits abgeschaltet. Dafür hab ich seit Neuestem Online Mahjongg entdeckt.

Und manchmal fehlt auch das gewisse Etwas, das eine Tätigkeit von „muss halt sein“ auf „mach ich gerne“ anhebt. Das kann Musik sein, die dabei hilft, dass Aufräumen und Putzen Spaß machen. Oder das kann sein, dass ich etwas, anstatt es einfach irgendwie zu machen, eben schön mache.

Manchmal ist es auch klar.

Und manchmal gibt es Termine, wo ich hin muss. Oder wo ich denke, dass ich hin muss. Continue reading

Cloud Atlas – eine Art Rezension

Cloud Atlas von David Mitchell Rezension
Heute gibt es mal etwas anderes im Niemblog: seit drei Jahren liegt diese Rezension in meinen Entwürfen, weil ich mir damals nicht sicher war, ob sie hier reinpasst oder nicht. Aber ich finde sie eigentlich ziemlich gut und das Buch ist wundervoll und einzigartig und passt auch irgendwie zur Thematik im Blog. Also los geht’s:

Seitdem ich den Film „Cloud Atlas“ im Kino gesehen hatte, ließ mich die Geschichte nicht mehr los. Ich musste sofort das Buch von David Mitchell lesen, auf dem der Film basiert. Es ist bereits der dritte Roman des Autors, der für seine ungewöhnliche Art zu erzählen bekannt ist.

„Cloud Atlas“ erzählt eine Geschichte – nein 6 Geschichten – oder doch eine? – in 6 Epochen.

Es beginnt mit einem Tagebuch aus den 1850er Jahren: der Anwalt Adam Ewing reist mit dem Schiff zurück in die Vereinigten Staaten und freundet sich gegen seinen Willen mit einem Schwarzen an.

Sein Tagebuch gelangt 1936 in die Hände des jungen, mittellosen Komponisten Robert Frobisher, der bei einem berühmten, jedoch altersschwachen Komponisten angestellt ist und diesem dabei hilft seine musikalischen Ideen zu Papier zu bringen. Während Frobisher in der Villa des Komponisten lebt und arbeitet, schreibt er Briefe an seinen Geliebten Rufus Sixsmith. Continue reading

Ohne Facebook (Teil 1)

Ohne Facebook
Als ich vor Kurzem mit einem Freund telefonierte, bemerkte ich so ganz beiläufig:
„Ja, eigentlich ist grad alles voll gut, ich bin halt grad recht viel online.“
Und er so: „Mehr als du eigentlich willst?“
Und ich: „Hm, ja, irgendwie schon.“1
Und schon waren wir beim Thema. Wie ich in den letzten Tagen in jeder freien Minute auf Facebook geschaut habe; wie ich immer wieder die gleichen Schlagzeilen las; wie ich immer wieder auf „neu laden“ klickte um herauszufinden, ob wieder was Neues draufsteht.
Und wie mich das überhaupt nicht interessiert! Mich interessieren weder die ganzen negativen Schlagzeilen, noch die meist völlig belanglosen Posts von Freunden und Bekannten. Und trotzdem ist mein erster Impuls, wenn ich mit irgendeiner Aufgabe fertig bin und kurz entspannen will: jetzt mal kurz auf Facebook schauen. Dann die kurze Befriedigung und Entspannung und dann diese Leere. Als mein Telefon-Freund und ich das also etwas unter die Lupe nahmen, meinte er so: „Irgendwie klingt das ziemlich nach Suchtverhalten.“
Und ich so: „Oh mein Gott! Du hast so recht.“ Continue reading

  1. Konversation ganz grob aus dem Kopf, vielleicht auch völlig falsch, aber von der Essenz her passend. []

Nachhaltiger Lebensstil

Nachhaltiger LebensstilImmer wieder stelle ich nachhaltige Alternativen vor, wie man etwas anders machen kann, z.B. Wäsche waschen mit Efeu statt mit normalem Waschmittel. Viele dieser Dinge mache ich selbst, andere sind mir vielleicht auch zu umständlich. Jetzt möchte ich einfach mal teilen, wie mein persönlicher nachhaltiger Lebensstil aussieht. Dabei ist mir wichtig, offen zu zeigen, was für mich leicht ist und was mir schwer fällt. Und wo es noch komplett hakt.

Was mir leichter fällt

Ich esse grundsätzlich vegan. Dabei gibt es wenige Ausnahmen: Zum einen, wenn ich nicht weiß, dass etwas nicht vegan ist, es ziemlich wahrscheinlich ist und es gerade keine Möglichkeit gibt, nachzuforschen. Beispiel: via Foodsharing gerettete Brötchen oder wenn ich zu Besuch bin und Brot angeboten wird. Und bei Bio-Honig mache ich ganz selten eine Ausnahme, wenn mir etwas damit angeboten wird.
Vegan essen fällt mir wirklich leicht, weil es für mich nicht nur diesen nachhaltigen Aspekt hat, sondern ich damit konkret zu weniger Tierleid beitrage. Außerdem ist das nach 4 Jahren auch schon sehr zur Gewohnheit geworden.

Ich wasche meine Wäsche mit Efeu. Und zwar seit fast 2 Jahren! Das fällt mir wirklich leicht, weil der Efeu direkt vor der Haustür wächst und ich einfach nur ein paar Blätter pflücken muss, in eine Socke stopfen und ab damit! Ich wasche alle Farben und Stoffe bei jeder Temperatur mit Efeu. Continue reading

Auszeit nehmen – nachhaltig mit mir selbst umgehen

Auszeit nehmen
Ich habe zum ersten Februar meinen Job gekündigt und nehme mir jetzt erstmal eine Auszeit. Dass ich dabei entspannt sein kann, liegt an meiner (zugegeben) privilegierten Situation: einerseits habe ich ein Sparkonto, das mich durch ein paar Monate bringen kann, andererseits auch meinen Freund, der ein bisschen Geld verdient und erstmal den Großteil der Miete übernehmen kann. Und abgesehen von Miete und Essen habe ich aufgrund meines minimalistischen Lebensstils sowieso kaum Kosten.1
Eine andere Voraussetzung, diese Zeit genießen zu können, ist für mich, mich nicht beim Arbeitsamt zu melden. Ich will während meiner Auszeit keine Bewerbungen schreiben oder so tun, als würde ich Arbeit suchen. Continue reading

  1. Und an den Krankenkassenbeitrag hab ich auch gedacht. []

Drei Jahre ohne Klamottenkauf

alternativ klamotten kaufen
Letztens auf die Frage angesprochen, dass ich ja doch mit sehr wenig Geld auskomme, dachte ich darüber nach, wie lange es eigentlich her ist, dass ich das letzte Mal Klamotten gekauft habe. Zwei Jahre oder drei Jahre? So langsam verschwimmt alles ein bisschen, aber ich denke, es könnten schon drei Jahre gewesen sein. Schwierig ist das, weil ich nicht wirklich gesagt habe: „So, ab heute, kaufe ich keine Klamotten mehr.“ oder „Ab heute kaufe ich nur noch gebraucht.“ oder so. Das hat sich eher schrittweise ergeben.

Publikumswirksamer wird das ganze ja schon, wenn man ab einem festen Termin ein Experiment startet und dann in regelmäßigen Abständen darüber bloggt. So weit habe ich damals aber noch nicht gedacht. Vor drei Jahren ging der Niemblog ja auch erst an den Start.

Ein Rückblick darf trotzdem drin sein. Immerhin habe ich letzte Woche das erste Mal seit besagten drei Jahren wieder Klamotten gekauft1. Und deshalb möchte ich feiern, dass ich so lange nicht beim Konsumspiel migespielt habe. Aber auch, dass ich mir selbst etwas Gutes getan habe. Continue reading

  1. selbstverständlich Second Hand und ein T-Shirt Fairtrade, weil es so einen schönen Schnitt hatte []